Pustertal – Juli 2010

Wenige Wochen nach bestandener A-Prüfung bin ich mit der 1. DAeC Gleitschirmschule auf Flugreise ins Pustertal gefahren. Als Flugschüler fliegt man ja meist bei nicht sehr thermischen Bedingungen auf Start- und Landeplätzen die man gut kennt, so hielt diese erste Flugreise die eine oder andere Herausforderung für mich bereit.

Unser erster Flugtag hat uns gleich auf einen der bekannteren Streckenflugberge der Gegend gebracht – der Speikboden. Zum Glück war der Start in der „normalen“ Startrichtung aufgrund der Windbedingungen nicht möglich – denn der hätte bedeutet nach wenigen Metern Anlauf über eine steile Klippe abzufliegen – bei der Höhe durchaus Ehrfurcht gebietend. Der alternative Start war wenig besser, felsig, steinig, der Landeplatz nicht zu sehen. Wie vereinbart bin ich um den Berg herum geflogen bis zu einer Felsrinne an der ich nach Thermik suchen sollte. Die hab ich dann auch gefunden, aber Mann war das bockig! Ich bin nur so hin und her geworfen worden in meinem Gurtzeug! Die Landung auf dem an sich riesigen Landeplatz hab ich dann auch verbockt. Ich befürchtete zu lang zu kommen, nicht gut, da der Landeplatz am Ende durch eine Bundesstraße begrenzt wurde. Ich hab dann versucht meinen dicken Rookie L noch zu einer Abachterkurve zu überreden und bin prompt im Maisfeld gelandet – Pilotenego angekratzt.

In den nächsten Tagen ging es weiter nach Ahornach, ein wunderbares Fluggebiet! Mit dem flachen Start hab ich mich bei wenig Wind zunächst schwer getan raus zu kommen. Ich war auch Birgit sehr dankbar, die mich über Funk gut über den Übergang aus dem leicht im Lee gelegenen Startplatz in den kräftigen Hangwind gebracht hat, alleine hätte mich diese Aufgabe möglicherweise überfordert. Einmal im Hangwind war das Fliegen einfach nur noch wunderbar, das Vario piepste gleichmäßig und unaufgeregt vor sich hin und ich musste einfach nur hin und her soaren um langsam aber stetig an Höhe zu gewinnen. Und wie ich so dahin fliege, merke ich vor lauter Entspannung und Zufriedenheit gar nicht, wie mich mein Weg immer weiter um den Berg herum führt. Ich denke mir noch, ich fliege bis zu der Hangkante da vorne und dann drehe ich wieder um.. als ich aber über die Hangkante drüber war, kreischt mein Vario plötzlich, es reißt mich hoch und im nächsten Moment habe ich schon einen Totalzerstörer, im freien Fall geht es abwärts, ich greife nach der Rettung und dann entschließt sich der Rookie doch noch wieder aufzugehen. Nichts wie raus hier, weg vom Berg wieder in die angeströmte Luft! Eigentlich ist mir jetzt nach Landen, aber ich reiße mich am Riemen und steige wieder ins Hangsoaren ein. Langsam beruhigen sich meine Nerven … soweit meine erste Lee-Erfahrung!

Bei einem weiteren Flug in Ahornach habe ich eine andere unerwartete Erfahrung gemacht, nachdem ich bis zum Gipfelgrat aufgedreht hatte, fehlten mir plötzlich die Bezugspunkte, ohne Bäume und Sträucher, nur mit Felsen unter mir, konnte ich plötzlich nicht mehr sagen ob ich 50 oder 200m über dem Gipfelgrat flog, wirklich sehr interessant!

In Pfalzen habe ich ebenfalls mit dem Startplatz gekämpft, eigentlich wunderschön, ein steiler Grashang. Allerdings nach ein paar Metern kam ein kleiner Weg – vor diesem sollte man also nach Möglichkeit in der Luft sein. Ein Kinderspiel – aber für mich ein Problem im Kopf – ich war heilfroh, dass ich gut rausgekommen bin. Das war übrigens unser einziger Start aus Pfalzen, denn in der Nähe brütete noch ein Raubvogel der eine vor mir gestartete Pilotin angegriffen und einige fiese Risse in ihr Segel gerissen hat!

Mein persönliches Highlight dieser Flugreise war allerdings mein erster Flug vom Kronplatz, glücklich vorbei an der Schneekanonen die ein paar Meter nach dem Start im Weg stand und dann stand dem Aufdrehen nichts mehr im Wege! Es geht unheimlich gut und plötzlich höre ich im Funk, dass einige aus der Gruppe zum Hotel zurückfliegen wollen, da hänge ich mich natürlich mit dran! Wir fliegen über Bruneck (auch interessant über ein nicht landbares Gebiet zu fliegen) und ich lasse meine Vorflieger keinen Moment aus den Augen, ich glaube nämlich nicht dass ich alleine das Hotel wieder finde! Ich beobachte die anderen, wie sie auf einer Wiese vor dem Hotel einlanden. Ich befürchte mal wieder zu lang zu kommen und werde dann vom heftigen Westwind überrascht – ich schaffe es nicht mehr bis zur Wiese und lande.. mal wieder.. im Maisfeld! Trotzdem ein wunderbarer Flugtag!

Für mich als frischgebackenen Freiflieger war dieser erste Fliegerurlaub einerseits vollgepackt mit neuen Herausforderungen, aber auch eine bleibende Erinnerung an unglaublich schöne Flüge und neuen Erfahrungen. Das Pustertal ist wirklich ein wunderbares Fluggebiet das ich unbedingt wieder besuchen muss!

Hier noch der Link zur 1. DAeC Seite mit dem Bericht zur Reise.

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